ADHS, Ritalin und Fehldiagnosen

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Passio®

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28.02.2006 10:06 Uhr
Das Thema habe ich aus dem Singleforum "geklaut", weil es doch ziemlich viele Eltern gibt, die mit einen Verdacht oder gar einer Diagnose auf ADHS konfrontiert werden.
Dieser Thread soll dazu dienen Erfahrungen auszutauschen, Links und Ärzteempfehlungen zu geben, sowie Fälle von Fehldiagnosen und gute und schlechte Erfahrungen mit Ritalin zu beschreiben.
Es geht hier nicht, um ein Medikament zu verteufeln oder gar eine Krankheit zu diagnostizieren. Es geht um Erfahrungsaustausch.

Würde mich freuen, wenn sich viele daran beteiligen.

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Skylr

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28.02.2006 13:00 Uhr
Aus meiner Sicht ist ADS bzw. ADHS meist ein Zeichen einer Notlage des Kindes liegend in ihm selbst, in seinen Beziehungen zu den Eltern und seiner Umwelt. ADS hat in den letzten 10 Jahren in der Diagnostik sehr zugenommen. In dieser Zeit haben sich aber auch die Beziehungen zwischen Eltern und dem Kind und zwischen den Elternteilen an sich stark verändert. Auch verwandtschaftliche und freundschaftliche Unterstützung ist äußerst rar und das Streben nach einem Arbeitsplatz und Selbstverwirklichung im Beruf und Freizeit hat stark zugenommen. Kinder sind eigentlich wie ein Barometer und signalisieren als das schwächte Mitglied unserer Gesellschaft als erste, das irgendetwas sich ändert, anders wird oder falsch läuft. Je mehr Kinder diese Ersatzbeziehungen wie den Computer und Fernseher als Elternfunktionen ansehen und dies als sofort entspannend und zur Verfügung stehend ansehen, desto mehr wird es auf diese Funktionen zurückgreifen. So werden die kognitiven und emotionalen Funktionen geschmälert was so viel bedeutet das es Auswirkungen geben muss z.B. bei der Intention, Motorik, Reizschutz und Reizabwehr, Denken, Sprache, Mitgefühl etc. Es ist nachgewiesen das z.B. Vorbilder äußerst wichtig sind, aber es geht hierbei um prägende Vorbilder und nicht verbale Vorbilder eines Computers oder Fernsehenmoderators etc.
Nur aus dem Umgang mit der Umwelt lernt ein Kind sich selbst zu steuern, sich zu motivieren, die Frustrationsgrenze nach der vorgegebenen Situation anzupassen, eigene Wünsche zu empfinden, Konflikte zu lösen , Fähigkeiten anzutrainieren etc.
Neuropsychologisch spricht man da von Landkarten, die ein Kind im Hirn anlegt und die wiederum beeinflussen sein Handeln, Denken, Fühlen etc.
Wenn ein Kind intensiv Actionfilme und Computerballerspiele anschaut und seine Eltern kaum emotional erlebt entstehen mehr gewalttätige Konfliktbewältigungsmuster, weniger Anteilnahme und Mitgefühl und die Unruhe nimmt zu. Die mitablaufende Abnahme der Interessen und Motivation , aber auch Abnahme des abstrakten Denkens führen zu Störungen die sich auf die Aufmerksamkeit niederschlagen und zu Störung der Steuerung der Motorik, Impulsivität und Sozialverhalten führen.
Und die Eltern sind bestrebt schnell nach Lösungen zu suchen und das einfachste ist natürlich der Griff zu Ritalin. Es ist bekannt, dass es bei langen Konsum Schäden an dem Herz hinterlässt und es wird von der FDA zunehmend kritisiert. Mal sehen was die Zukunft bringt!
Jedenfalls soll das Ritalin (Methylphenidat) wirklich mit Vorsicht verordnet werden und es ist zu berücksichtigen, dass eine Kinderpsychotherapie dringend begleitend erfolgen soll.
Ich plädiere dafür, dass erst eine gute Psychotherapie erfolgen soll und Ritalin nur unterstützend gegeben werden sollte.

Watzmann

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28.02.2006 13:26 Uhr
[quote:71b5a1f58a="Skylr"]
Und die Eltern sind bestrebt schnell nach Lösungen zu suchen und das einfachste ist natürlich der Griff zu Ritalin. Es ist bekannt, dass es bei langen Konsum Schäden an dem Herz hinterlässt und es wird von der FDA zunehmend kritisiert. Mal sehen was die Zukunft bringt!
Jedenfalls soll das Ritalin (Methylphenidat) wirklich mit Vorsicht verordnet werden und es ist zu berücksichtigen, dass eine Kinderpsychotherapie dringend begleitend erfolgen soll.
Ich plädiere dafür, dass erst eine gute Psychotherapie erfolgen soll und Ritalin nur unterstützend gegeben werden sollte.

Die Schäden am Herz sind leider nicht die einzige Nebenwirkung.
Allerdings bedeutet "Nebenwirkung" auch, dass diese "Begleiterscheinungen" nicht bei allen behandleten Kindern auftreten, sondern wohl glücklicherweise nur bei einem kleinen Teil.
Es gibt auch eine Alternative zu Ritalin, Strattera, leider auch nicht nebenwirkungsfrei.

Daher kann ich Skylr nur unterstützen: Medikamententherapie hilft bei wirklichem ADHS meist SEHR VIEL, aber nur in Begleitung und ständiger Beobachtung eines Arztes und eines Psychotherapeuten.

Im übrigen ist leider auch der umgekehrte Fall sehr häufig, dass ADHS überhaupt nicht erkannt wird und dem Kind als Charakterschwäche untergeschoben wird.

Wir machen immer einen Fehler: Wir investieren Gefühle, statt sie zu verschenken.
(Werner Schneyder)


Passio®

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28.02.2006 13:36 Uhr
Nur, wie kann ADHS wirklich diagnostiziert werden? Viele Ärzte gehen von Symptomen aus, lassen aber das Kindesumfeld aussen vor. Somit kommt es zu der extrem hohen Anzahl von Fehldiagnosen und zu der sehr schnellen Verschreibung von Ritalin.

Einge gute Quelle für Studien findet ihr hier:

http://www.ads-kritik.de/Ritalin.htm

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Diavolessa

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28.02.2006 13:53 Uhr
@Skylr
Deine These klingt ja ganz gut.
Ich denke aber, daß diese ganzen Faktoren das (vorher) bestehende AD(H)S verstärken (vielleicht auch erst in Erscheinung treten lassen), aber nicht die Ursache dafür sind.
Auch die Ernährung (wie oft angenommen) muss nichts damit zu tun haben (kann aber Hyperaktivität beeinflussen).

Auch wenn das jetzt kein wissentschaftlicher Beweis ist:
Ich habe zwei Jungs. Beide wachsen im selben Umfeld auf
Der eine ernährt sich ungesund (wenn ich ihn lassen würde ), hat eine sehr niedrige Frustrationsgrenze, verbringt seine freie Zeit mit Fernseher, Computer, Gameboy etc.. Kann er das nicht, hängt er gelangweilt rum, weiß nichts mit sich anzufangen. Durch seinen Bruder und den Vater sieht er auch öfter mal Filme oder Spiele, die nicht für sein Alter geeignet sind. Die Trennung der Eltern hat er mit 8/9 Jahren erlebt und nicht so wirklich verstanden.
Der andere isst und trinkt freiwillig gesünder, bastelt gerne und tüftelt dabei so lange rum, bis es funktioniert. Liest gerne. Denkt oft tagelang nicht an PC oder Spielekonsole. Schaut im Fernsehen am liebsten Dokus und Wissenssendungen, ist außerdem älter, so daß er die Filme/Spiele seines Vaters eher verarbeiten/verstehen kann. Die Trennung kann er eher nachvollziehen, weil er z.T. ähnliche Probleme mit dem Vater hat. Außerdem versteht er generell schon mehr.
Und jetzt die Rätselfrage: Wer von beiden hat ADS?

Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Ausreden!
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Skylr

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28.02.2006 14:49 Uhr
Bin ich Gott oder was?
Ich vermute dass du auf das Träumerchen tippst ohne das H-Symptom. Aber das ist unerheblich.
Zu einer guten Diagnostik gehören neben den körperlichen, einschließlich laborchemische, neurologische auch psychodiagnostische Utersuchungen sowie Verhaltenseinschätzungen mit eingeführten normierten Skalen. Organische Ursachen sind immer auszuschließen bevor man Methylphenidat gibt. Wenn aber organische Ursachen ausgeschlossen werden, bleiben immer noch Störungen des Sozialverhaltens, umschriebene Entwicklungsstörungen, Störungen der Intelligenz, andere psychische Erkrankungen, aber auch mögliche Anpassungsreaktionen sowie aktuelle Lebensereignisse, Krisen etc.
Psychologische Tests zur Intelligenz, Teilleistungstests, projektive Tests und hirnorganische Tests sind unerläßlich.
Ohne diese positiv beurteilt zu haben, würde ich nie meinem Kind Methylphenidat geben. Ich kann nur hoffen, dass die Eltern, die das Medikament verabreichen, auch über die Optionen unterrichtet sind. Da ich aber die Zeit der verschreibenden Psychiater kenne, würde ich mich nie darauf verlassen, genau aufgeklärt worden zu sein.
Die Tendenz vieler Eltern schnelle Lösungen zu suchen ist enorm gestiegen. Die eigenständige, intuitive elterliche Beziehungskompetenz ist in ihrer Entwicklung bedroht. Den Eltern fehlt es an Zeit ihr Kind in seinen Besonderheiten kennenzulernen, die Beziehung zu dem wachsen zu lassen und sich auf das Elternsein einzulassen.
Und das ist eine Gefahr. Ich möchte hierbei nicht die Eltern verdammen, nur sagen , dass das der Lauf der Zeit ist und das Eltern oft nicht die Möglichkeiten haben sich der Erziehungsaufgabe und der Vielfalt der kindlichen Welt vertraut zu machen. Das Ganze bringt eher Schuldgefühle den betroffenen Eltern und Zuschreibung der Verantwortung der Eltern an irgendwelche Fachleute um schnellstens irgendwelche Lösungen zu finden. Aber eine Psychostimulanz ist nie die Lösung , es ist nur die Art, wie wir mit dem Problem umgehen.
Eine multimodale Therapie ist hier angesagt und nicht das Schlucken eines Medikamentes allein.

Und es gibt zahlreiche Studien - die leider nur auf englisch sind- die aber beweisen, dass es ein Medikament ist, das verherrende Auswirkungen haben kann. Diese Verantwortung kann man den Eltern nicht nehmen, aber wenn die Psychiater selbst aufgrund des Zeitmangels und des Stresses solche Forschungsergebnisse selbst nicht lesen , dann können sie auch nicht aufklären. Und Aufklärung, so schlimm das kling, lohnt sich für einen Arzt nicht, da er daran zu wenig verdient. Aber das mit dem Rezeptblock geht doch sehr schnell oder?

Passio®

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28.02.2006 14:58 Uhr
[quote:b8284956fe="Skylr"]
Und es gibt zahlreiche Studien - die leider nur auf englisch sind- die aber beweisen, dass es ein Medikament ist, das verherrende Auswirkungen haben kann. Diese Verantwortung kann man den Eltern nicht nehmen, aber wenn die Psychiater selbst aufgrund des Zeitmangels und des Stresses solche Forschungsergebnisse selbst nicht lesen , dann können sie auch nicht aufklären. Und Aufklärung, so schlimm das kling, lohnt sich für einen Arzt nicht, da er daran zu wenig verdient. Aber das mit dem Rezeptblock geht doch sehr schnell oder?
Das stimmt genau. Ich habe mich mit diesen Studien intensiv befasst, insbesondere solche, von denen man ausgehen konnte, dass sie NICHT von der Pharmaindustrie in Auftrag gegeben wurden. Und bei allen diesen Studien hieß es, dass zuerst eine organische Störung ausgeschlossen werden müsste und dann müsste man das soziale Umfeld und evtl. Stressfaktoren berücksichtigen, bevor man ADHS überhaupt diagnostizieren könnte. Oft wurde auch eine Ernährungsumstellung in Betracht gezogen bevor man medikamentös terapiert.
Nicht selten werden sogar ganz harmlose Konzentrationsstörungen als ADHS diagnostiziert und mit Ritalin behandelt, mit entsetzlichen Folgen für die kleinen Patienten, die sich gar nicht wehren können.

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Diavolessa

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28.02.2006 15:33 Uhr
@Skylr
Ich brauche nicht tippen, die zwei Jungs sind meine. Und es war keine echte Frage.

Aber irgendwie hüpfst Du hier von einem Thema/Aussage zum anderen...
Erst klingt es, als wenn Du die Umwelt, die äußeren Einflüsse und die Beziehung zu den Eltern für ADS verantwortlich machst (wenn ich Deinen langen Text richtig verstanden habe.).
Wenn ich Dir dann ein Beispiel bringe, daß das so nicht stimmen kann, fängst Du an, über die Gefährlichkeit von Medikamenten und die Oberflächlichkeit in Diagnose und Umgang mit AD(H)S zu texten.
Du hast ja recht, in vielen Fällen ist es so, daß zu schnell, zu oberflächlich Methylphenidat verschrieben wird, weil ein Kind nicht "passt".
Aber es gibt eben auch echte AD(H)S-Fälle, d.h. Kinder, die nicht ständig vor der Kiste sitzen, die ein intaktes soziales Umfeld haben, die intelligent sind, die das Vertrauen ihrer Eltern haben ... u.s.w.....und die sich trotzdem nicht konzentrieren können, die rumzappeln, sich selber nicht in den Griff kriegen.

Und was ich mit meiner Story herausstellen wollte: Wenn all diese "Erklärungen" stimmen würden (daß eben die Umwelt, das Umfeld, die Eltern, die Ernährung, unsere Konsum- und Medienwelt schuld sind an AD(H)S), dann müsste eher mein Kleiner AD(H)S haben anstatt dem Großen.

Und es gibt durchaus Ärzte und Psychater, die sich die Entscheidung für Medikamente nicht so leicht und schnell machen. Auch wenn sie selten sind und natürlich dementsprechend überlaufen...

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Watzmann

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28.02.2006 15:51 Uhr
Ich möchte noch einen link zu dem Thema beisteuern:

Ein neuerer Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung, der das Thema ganz gut beschreibt:
http://www.nzz.ch/2006/02/08/ft/articleDJOIN.html

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(Werner Schneyder)


Diavolessa

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28.02.2006 16:22 Uhr
Danke!
Klingt sehr objektiv.

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Skylr

Forenbeiträge: 24988


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28.02.2006 18:01 Uhr
Deine Rätselfrage war doch eine Tippfrage und wenn es keine echte Frage war umso besser.
Meine These ist nicht meine persönliche, sondern die wissenschaftliche Erkenntnisse vieler Studien und mehr nicht.
Man kann sich informieren lassen oder auch nicht, je nachdem wie man es will. Ich wollte hier keinen kränken, sondern einfach zu einer Diskussion beitragen und mehr nicht.
Und wenn viele Gesichtspunkte erläutert werden, die man kennt, dann kann man nicht zu jedem eine Abhandlung schreiben, denn hier ist nicht der Platz dafür. Man kann sie anschneiden, so viel Platz ist wohl hier. Ich sehe in meinem Text kein "Hüpfen", aber in deinen Antworten eher eine Art von kränkender Betroffenheit. Das kann ich verstehen und hoffe das mehr Erfahrungsaustausch kommen wird.

Diavolessa

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28.02.2006 18:38 Uhr
[quote:e20f6b6218="Skylr"] Aus meiner Sicht ist....

[quote:e20f6b6218="Skylr"]Meine These ist nicht meine persönliche....
was jetzt???

[quote:e20f6b6218="Skylr"]Man kann sich informieren lassen oder auch nicht, je nachdem wie man es will. Ich wollte hier keinen kränken, sondern einfach zu einer Diskussion beitragen und mehr nicht.
Ich lass mich gern informieren...ich mach mir aber auch meine eigenen Gedanken zu Informationen.

[quote:e20f6b6218="Skylr"]Und wenn viele Gesichtspunkte erläutert werden, die man kennt, dann kann man nicht zu jedem eine Abhandlung schreiben, denn hier ist nicht der Platz dafür. Man kann sie anschneiden, so viel Platz ist wohl hier.
Hier ist jede Menge Platz. Die Frage ist, ob und wieviele hier lange Abhandlungen lesen wollen, die sie jederzeit auch ergooglen können?
Ich denke mal, ein echter Erfahrungsaustausch wäre sinnvoller.
Ansonsten tut´s vielleicht auch ein Link, wie bei watzmann.

[quote:e20f6b6218="Skylr"]Ich sehe in meinem Text kein "Hüpfen"
Na gut, nennen wir es Abhaken des nächsten Punktes Deiner Liste.

[quote:e20f6b6218="Skylr"]aber in deinen Antworten eher eine Art von kränkender Betroffenheit.
versteh ich jetzt nicht...kränkt Dich meine Betroffenheit oder meinst Du, ich reagiere gekränkt aus Betroffenheit?
Mag sein, daß ich empfindlich auf das Thema reagiere. Aber vielleicht bin ich es einfach leid, jedesmal, wenn das Thema angeschnitten wird und ich sage, daß mein Sohn ADHS hat, ich immer dieselben Thesen und (indirekten) Vorwürfe hingeknallt kriege.
Vielleicht kränkt es mich aber auch tatsächlich, wenn Du eine These darlegst, ich aus meiner Sicht versuche, sie zu widerlegen und Du darauf nicht eingehst, sondern die nächste Abhandlung bringst.

[quote:e20f6b6218="Skylr"]Das kann ich verstehen
schön

[quote:e20f6b6218="Skylr"]und hoffe das mehr Erfahrungsaustausch kommen wird.
Darauf hoffe ich auch! Vor allem mit Betonung auf Erfahrung...

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Watzmann

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28.02.2006 20:18 Uhr
Weil mich das Thema interessiert und Abhandlungen/langetextige Informationen wohl weniger gefragt sind als Erfahrungsaustausch habe ich trotzdem mal gegoogelt und gebe den Hinweis auf regionale ADS-Selbsthifegruppen mal weiter:
http://www.ads-kurse.de/ads_adhs_selbsthilfegruppen.htm#Baye
rn
und
http://www.ads-selbsthilfe.de/

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Diavolessa

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28.02.2006 20:28 Uhr
Ist mit Sicherheit eine gute Sache, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, zu sehen, daß es anderen genauso geht, Anregungen oder Hilfen zu bekommen, oder sich einfach mal auszuquatschen, ohne erklären oder sich verteidigen zu müssen.

Ich war einmal in einem AD(H)S-Forum, hab mich ein bischen durchgelesen...es war erschreckend, die ganzen (Lebens-)Geschichten zu hören!

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Passio®

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28.02.2006 20:35 Uhr
Also meine Damen! Etwas mehr containance, wenn ich bitten darf
Ich denke das Thema ist brisant genug, dass wir das hier noch auf eine persönliche Ebene bringen müssten.
Viel mehr soll es für alle Betroffenen und oder interessierten Eltern eine Sammlung aus persönlichen Erfahrungen, ob positiv oder negativ, aus medizinischer oder elterlicher Sicht werden.
Und selbstverständlich sind Links und Tipps über weiterführende Literatur erwünscht.

@diavolessa
vielleicht erklärst Du uns allen etwas genauer, wie es zu dieser Diagnose kam, welche Untersuchungen gemacht wurden und welche Symptomatik er gehabt hat. Habe nämlich gehört, dass auch sehr ruhigen Kinder ADHS diagnostiziert wird.

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Skylr

Forenbeiträge: 24988


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28.02.2006 21:04 Uhr
[quote:45b2b2b06d="Diavolessa"][quote:45b2b2b06d="Skylr"] Aus meiner Sicht ist....

[color=red]Aus meiner Sicht ist ADS bzw. ADHS meist ein Zeichen einer Notlage des Kindes liegend in ihm selbst, in seinen Beziehungen zu den Eltern und seiner Umwelt. Also eine multimodale Ursache, wenn man es richtig lesen kann.
[quote:45b2b2b06d="Skylr"]Meine These ist nicht meine persönliche....
was jetzt???

[quote:45b2b2b06d="Skylr"]Man kann sich informieren lassen oder auch nicht, je nachdem wie man es will. Ich wollte hier keinen kränken, sondern einfach zu einer Diskussion beitragen und mehr nicht.
Ich lass mich gern informieren...ich mach mir aber auch meine eigenen Gedanken zu Informationen.

[quote:45b2b2b06d="Skylr"]Und wenn viele Gesichtspunkte erläutert werden, die man kennt, dann kann man nicht zu jedem eine Abhandlung schreiben, denn hier ist nicht der Platz dafür. Man kann sie anschneiden, so viel Platz ist wohl hier.
Hier ist jede Menge Platz. Die Frage ist, ob und wieviele hier lange Abhandlungen lesen wollen, die sie jederzeit auch ergooglen können?
Ich denke mal, ein echter Erfahrungsaustausch wäre sinnvoller.
Ansonsten tut´s vielleicht auch ein Link, wie bei watzmann.

[quote:45b2b2b06d="Skylr"]Ich sehe in meinem Text kein "Hüpfen"
Na gut, nennen wir es Abhaken des nächsten Punktes Deiner Liste.

[quote:45b2b2b06d="Skylr"]aber in deinen Antworten eher eine Art von kränkender Betroffenheit.
versteh ich jetzt nicht...kränkt Dich meine Betroffenheit oder meinst Du, ich reagiere gekränkt aus Betroffenheit?
Mag sein, daß ich empfindlich auf das Thema reagiere. Aber vielleicht bin ich es einfach leid, jedesmal, wenn das Thema angeschnitten wird und ich sage, daß mein Sohn ADHS hat, ich immer dieselben Thesen und (indirekten) Vorwürfe hingeknallt kriege.
Vielleicht kränkt es mich aber auch tatsächlich, wenn Du eine These darlegst, ich aus meiner Sicht versuche, sie zu widerlegen und Du darauf nicht eingehst, sondern die nächste Abhandlung bringst.

[quote:45b2b2b06d="Skylr"]Das kann ich verstehen
schön

[quote:45b2b2b06d="Skylr"]und hoffe das mehr Erfahrungsaustausch kommen wird.
Darauf hoffe ich auch! Vor allem mit Betonung auf Erfahrung...



Und wenn eine Ursache in einem selbst liegt, dann kommt wahrscheinlich ein reiner medizinischer Aspekt als Ursache nicht in Frage, da hast du Recht, weil das Verhalten, das sich dann entwickelt nicht rein medizinisch erklärt werden kann. Ein Verhalten, das dann zutage kommt, beruht auf den Beziehungen und Kontakten, die dieses Kind verinnerlicht hat. Und aus dem Umgang mit seiner Not lernt es , wie es sich am besten verhalten kann. Vielleicht ist es wirklich zu fachbezogen, kann sein muß aber nicht.
Aber eine Therapie sollte mulitmodal sein.

Diavolessa

Forenbeiträge: 24786


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28.02.2006 22:02 Uhr
@Passio
Bei den ruhigen Kindern heißt es ADS, das sind die sogenannten "Träumerle", die "Zappelphillipe" haben ADHS.

Daß ich ein ziemlich aktives Kind habe, hat sich schon im Babyalter gezeigt - Schreibaby, von Blähungen geplagt, wollte nicht sitzen (außer wenn wir unterwegs waren und es was zu sehen gab) - im Kindergarten sind dann die Erzieherinnen verzweifelt, weil er im Stuhlkreis nicht sitzenblieb - im Musikkurs war er das erste Kind seit zig Jahren, daß rausgestellt wurde - richtig heftig wurde es dann in der Schule: er konnte kaum ruhig sitzen, spielte ständig mit irgendwas rum, hatte Schwierigkeiten sich bei Routine- oder monotonen Aufgaben zu konzentrieren, wurde durch alles abgelenkt, schaffte es nicht, sich an Regeln zu halten, oder länger bei einer Sache zu bleiben....
Irgendwann erzählte mir eine Freundin (sie ist Homöopathin und Heilpraktikerin), sie wäre auf ein Buch gestoßen, das haargenau meinen Sohn beschreiben würde: Das ADS-Buch (sorry, Autor weiß ich nicht auswendig, hab´s mal wieder verliehen...) und hatte auch einen guten Arzt bei der Hand, der sich schon seit 10 Jahren mit dem Thema beschäftigt. Nach der Lektüre war mir eigentlich klar, daß da wirklich mein Sohn beschrieben wird. Also Termin bei dem Arzt erkämpft und die Wartezeit im Streit mit der Lehrerin verbracht. Mir war klar, daß ich ein Kind nicht für etwas bestrafen kann, was es einfach nicht kann, und sie warf mir Inkonsequenz vor.
Der erste Termin beim Arzt dauerte ca. 3 Stunden, es wurden alle möglichen Tests gemacht (Konzentration, Intelligenz, Motivation, Durchhaltevermögen etc.), ich habe seitenweise Fragebögen ausgefüllt über Lebensgeschichte, Umfeld, Beziehung, Erziehung, er wurde medizinisch komplett durchgecheckt, es gab Gespräche mit mir, mit ihm, mit uns beiden...
Ich habe auch ein Nahrungsprotokoll über 4 Wochen geführt, um zu klären, ob bestimmte Nahrungsmittel sein Verhalten beeinflussen. (war nicht der Fall).
Sorry, ich weiß die genauen Bezeichnungen für die ganzen Untersuchungen nicht mehr, das ist 7 Jahre her.
Jedenfalls kam der Arzt zu dem Ergebnis (wie ich schon vermutet hatte), daß es sich ziemlich klar um ADHS handelt. Es folgte ein längeres Beratungsgespräch, bei dem auch positive und auch negative Seiten einer Behandlung mit Ritalin besprochen wurden. Da das Ergebnis aber sehr eindeutig war, schlug mir der Arzt vor, es mit Ritalin zu versuchen. Er wurde dann über 2 Wochen von der Dosis her genau eingestellt. Parallel dazu hatten wir (er und ich getrennt) Gespräche mit einer Psychotherapeutin. Auch vom Arzt bekam ich viele Tips.
Seitdem kämpfen wir uns durch die Schule
Wir sind seitdem in regelmäßigen Abständen beim Arzt, mindestens 2 mal im Jahr wird er komplett durchgecheckt. Inzwischen habe ich auch in München eine Psychologin für ihn gefunden.
Mit absoluter Konsequenz, klaren Vorgaben, permanenten Kontrollen und viiieeeel Geduld kommen wir halbwegs klar, nur in der Schule ist das leider nicht so durchführbar... die Lehrerin ist überfordert und hilflos ihm gegenüber. Trotzdem, sie bemüht sich um ihn, denn zum Glück sind weitere ADS-Merkmale bei ihm nicht ausgeprägt: Aggression und das Ausflippen (die Schulpsychologin meinte, das läge am intakten Umfeld und meinem Umgang mit ihm).
Es gibt bessere und schlechtere Phasen (wellenmäßig), allerdings ist es in diesem Schuljahr eskaliert, er arbeitete im Unterricht überhaupt nicht mehr mit. Sein Vater (der nach Aussage seiner Mutter als Kind genauso war und ziemlich sicher auch ADHS hat) machte dann ziemlich Streß und wollte ihn in ein Internat stecken ("der braucht nur Druck!"). Nach langen Gesprächen (mit mir, mit Therapeuthen, Psychologen) bemüht er (mein Sohn) sich jetzt wieder, das in den Griff zu kriegen, braucht aber ständige Kontrolle und ein konsequentes Einfordern von Handlungen/Leistungen.

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Diavolessa

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28.02.2006 22:16 Uhr
[quote:cc33b24035="Skylr"] Und wenn eine Ursache in einem selbst liegt, dann kommt wahrscheinlich ein reiner medizinischer Aspekt als Ursache nicht in Frage,
sorry, aber die Logik dieses Satzes erschließt sich mir leider nicht

[quote:cc33b24035="Skylr"]da hast du Recht, weil das Verhalten, das sich dann entwickelt nicht rein medizinisch erklärt werden kann.
wie sollte man auch ein Verhalten medizinisch erklären? das geht bei Symptomen, Reaktionen des Körpers...

[quote:cc33b24035="Skylr"]Ein Verhalten, das dann zutage kommt, beruht auf den Beziehungen und Kontakten, die dieses Kind verinnerlicht hat. Und aus dem Umgang mit seiner Not lernt es , wie es sich am besten verhalten kann. Vielleicht ist es wirklich zu fachbezogen, kann sein muß aber nicht.
Da widerspreche ich ja gar nicht, aber das sagt doch nichts über die Ursache aus.

[quote:cc33b24035="Skylr"]Aber eine Therapie sollte mulitmodal sein.
Das bestreitet auch niemand.

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01.03.2006 10:07 Uhr
[quote:b9eb5bff48="Diavolessa"]

[quote:b9eb5bff48="Skylr"]da hast du Recht, weil das Verhalten, das sich dann entwickelt nicht rein medizinisch erklärt werden kann.
wie sollte man auch ein Verhalten medizinisch erklären? das geht bei Symptomen, Reaktionen des Körpers...

Ich hoffe, dass ich diese Bewerkung nicht falsch verstanden habe.
Aber es ist vollkommen klar - wie Diavolessa auch schon mit ihrer Beschreibung angedeutet hat, dass die Krankheit eine wichtige genetische Komponente hat und die entsprechenden Risikogene VERERBT werden und das Kind nicht nur durch das Verhalten seiner Umwelt geprägt wird.
Ganz klar lassen sich bei diesen Patienten auch Veränderungen im Gehirn feststellen, bisher hauptsächlich morphologisch d.h. von außen gesehen sind einige Gehirnbereiche vergrößert/verkleinert, in zunehmendem Maße aber auch physiologisch, d.h. Störungen bei der Ausschüttung von Signalsubstanzen bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen.

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Passio®

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01.03.2006 10:12 Uhr
Ich finde es Interessant wie ADS- oder ADHS-Verdacht zustande kommt. Mein Sohn war z.B. ein Musterbaby. Hat immer brav geschlafen und interessierte sich für Dinge, die anderen Babies "zu hoch" waren. So hat er z.B. nie mit Holzklötzen gespielt, dabei konnte er aber Stundenlang konzentriert in Zeitschriften durchblättern (und das mit 8 Monaten). In den ersten beiden Kindergärten in Kolumbien (er ging bereits mit 2 in den KG) gab es keine Schwierigkeiten. Erst als er hier in München in den KG kam und sich mit der "bundeswehrartigen" Erziehung auseinander setzen musste, fingen die Probleme an.
Später in Spanien als er eingeschult wurde, war anfänglich alles ok. Er hat innerhalb kürzester Zeit einglisch in der Schule gelernt und sprach es bereits nach einigen Wochen fließend und hatte Spaß in der Schule. Nur die Lehrer meinten er würde sich ständig mit anderen Dingen beschäftigen und trotzdem käme er im Unterricht sehr gut mit. Die Schule hat eigene Schulpsychologen und die sprachen damals das erste Mal von Hochbegabung. Mein Sohn hat nämlich den gesamten Schulstoff eines Jahres freiwillig in 3 Monaten abgearbeitet und hat sich später natürlich im Unterricht gelangweilt.
Mein damaliger Freund meinte, der braucht doch nur Druck, die Schule wäre zu einfach und so wechselten wir auf die Deutsche Schule. Dort wurde das Problem nur noch schlimmer, weil die Lehrerin sehr viel mit auswendig lernen machte. Über 3 Jahre haben wir ihn in dieser Schule gequält und haben das Thema Hochbegabung, nie wirklich ernst genommen. Das Verhalten im Unterricht wahr nahezu identisch mit dem deines Sohnes.
Als er dann nach Deutschland zurück kam, ging es in der neuen Schule munter weiter. Bis mich die Lehrerin darauf aufmerksam machte, es könnte was mit Hochbegabung zu tun haben, weil er 6-stellige Zahlen im Kopf multiplizieren und dividieren konnte. Man muss sich vorstellen, dass er dann schlechtere Noten bekam, nur weil er den Rechenweg nicht zeigte sondern nur das Ergebnis hingeschrieben hat. Das war total frustrierend für ihn. Und so fing er wieder an die Schulaufgaben blanko abzugeben (das hatte er in Spanien auf der Deutschen Schule schon gemacht). Folge war logischerweise: lauter 5er und 6er.
Darauf folgte die Letanei an Tests und Gutachten und hier gab es mehrmals unterschiedliche Diagnosen. Die einen meinten ADHS die anderen ADHS und Hochbegabung und die anderen wiederum nur Hochbegabung. Eine Medikation mit Ritalin, kam fast jedesmal zur Sprache.
Eine Psychologin in München, hat dann endlich Licht ins Dunkle gebracht und meinte, nach ca. 6 Wochen Therapie, das es sich nicht um ADHS handle, sondern um pure reine Langeweile, weil sein Wissensdurst in der Schule nicht gelöscht werden könnte. Lehrer sind natürlich mit so einem Kind überfordert.
So kam er dann zur Probe für 2 Wochen auf das Hochbegabteninternat nach NRW. Da war alles super. Er kam wie verwandelt zurück. Zum ersten Mal hatte er erlebt, das Schule Spaß machen kann. Doch leider hat das Land Bayern die Kosten nicht übernommen und so musste er zurück in die Hauptschule.
Mit Mühe und Not habe ich dann ein privates Gymnasium gefunden, wo er aber auch nicht glücklich wurde. Hier hat man ziemlich schnell von ADHS gesprochen (obwohl ich die Gutachten bei der Einschulung vorgelegt hatte) und meinten der Schularzt würde Ritalin empfehlen. Es folgte eine endlos lange Diskussion und meine Weigerung, meinem Sohn dieses Medikament zu geben. Das Ende der Geschichte: er musste von der Schule.
Dann schickte ich ihn zu meine Eltern und dort hat sich zum Glück eine Schule gefunden, wo er in 2 Jahren 4 Schulklassen absolvieren konnte und sein Abi ablegen konnte.

~~If assholes could fly, this place would be an airport~~


Watzmann

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01.03.2006 10:21 Uhr
Hallo Passio,

danke für Deinen Bericht. ich finde es recht interessant, wie ein Thema wie ADHS versucht, aus der Grauzone der Unwissenheit herauszukommen und dann mit Problemen ganz anderer Art zu kämpfen hat.

Früher war ADHS ziemlich unbekannt unter Ärzten, es gab wenig Medikamente, kaum gute Therapien. Mit Ritalin hat sich das geändert. Die Firma hat ganz aktiv die Krankheit bekanntgemacht - mit der Folge, dass Ärzte/Psychiater, fällt ihnen nichts anderes ein bei Hyperaktivität sofort auf ADHS tippen - mit der Folge, dass Ritalin verschrieben wird. Der Verbrauch diese Wirkstoffs hat sich in den letzten Jahren mehr als verzehnfacht (hab die Daten gerade nicht im Kopf).

Wir machen immer einen Fehler: Wir investieren Gefühle, statt sie zu verschenken.
(Werner Schneyder)


Passio®

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01.03.2006 10:38 Uhr
@watzman
genau das ist das Thema. Es gibt zwar viele "urban legends" wie z.B. dass alle ADHSler hochbegabt sind - das ist natürlich Humbug.
Aber auch die Tatsache, dass lebehafte und unkonzentrierte Kinder ADHS hätten ist genau so Blödsinn.
Es ist schon alarmierend, dass sich der Verbrauch von Ritalin in den letzten Jahren so massiv ver-xfacht hat.
Einige Studien aus den USA zeigen ziemlich deutlich auf, dass sehr oft die Lehrer auf Grund ihrer schlechten psychologischen Ausbildung, mit lebhaften Kindern einfach überfordert sind. Außerdem, wie mir die Lehrerin hier in Deutschland erklärte, müssen sie sich bei ihrer Fortbildung entscheiden, welche Themen für sie wichtiger sind. Wenn ich mich nicht ganz täusche, entscheiden sich Lehrer für eine Fortbildung in Sachen Gewalt und Drogen in den Schulen. Themen wie ADHS und Hochbegabung fallen dann halt hinten weg.
Hinzu kommt, dass sich viele Ärzte damit gar nicht auskennen und die Diagnosemöglichkeiten gar nicht erst ausschöpfen. Nicht wenige Eltern tragen dazu bei, in dem sie durch ihren eigenen Stress (Beruf, finanzielle Probleme, Partnerschaft) lieber ein medikamentös ruhig gestelltes Kind haben wollen, anstatt Ursachenforschung zu betreiben.

Irrsinn ist auch die Politik der Krankenkassen. Mir hat die Krankenkasse damals empfohlen, die Kosten für die Psychologin, nicht in über die KH abzurechnen (wir sind bei der PKV), sondern selbst zu übernehmen. Warum? Weil eine psychologische Behandlung gespeichert wird - aus datenschutzrechtlichen Gründen jedoch nicht der Grund der Behandlung. Später hätte dann mein Sohn dann dadaurch Probleme haben können. Und wenn ich richtig informiert bin, wird ADHS bzw. ADS als "Behinderung" eingestuft, mit den entsprechenden Konsquenzen.

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Skylr

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01.03.2006 13:18 Uhr
@Passio

Die psychologische Behandlung wird immer von den Kassen übernommen, und wenn man die Diagnose erstellt, kann z.B. Diagnose eines der Auswirkungen gestellt werden. Das ist überhaupt kein Problem, da es bei der Diagnosen eine Vielfalt an Möglichkeiten gibt und auch diese zutreffen. Ein Kind hat nicht nur ADS oder ADHS allein sondern meist mehr.
Das schwierige ist wohl einen geeigneten Therapeuten zu finden, der sich wirklich mit der Störung auskennt und auch auf dem neusten wiss. Level ist. Es hängt auch von der Fachrichtung des Therapeuten ab, ob er diese Störung auch effektiv behandeln kann.

Watzmann

Dabei seit: 22.06.2003
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01.03.2006 14:05 Uhr
[quote:fcaa7f4111="Skylr"], und wenn man die Diagnose erstellt, kann z.B. Diagnose eines der Auswirkungen gestellt werden.

das hab ich nicht verstanden???

[quote:fcaa7f4111="Skylr"]Das ist überhaupt kein Problem, da es bei der Diagnosen eine Vielfalt an Möglichkeiten gibt und auch diese zutreffen.
???
kannst Du das mit anderen Worten sagen - ich kapier Deine Botschaft nicht.
[quote:fcaa7f4111="Skylr"]Ein Kind hat nicht nur ADS oder ADHS allein sondern meist mehr.

DAS HALTE ICH FÜR FALSCH: Das "S" am Schluss steht für Syndrom - d.h. es ist an sich schon ein ganzes Muster an verschiedenen Störungen, die meist zusammen auftreten.
Dennoch ist AD(H)S eine Krankheit, wer an ihr leidet, muss nicht notwendigerweise auch noch viele andere Leiden haben.

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(Werner Schneyder)


Diavolessa

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01.03.2006 14:30 Uhr
Es werden leider immer wieder verschiedene Dinge in einen Topf geschmissen:

Es gibt
-ADS
-ADHS
-Hyperaktivität
-Hochbegabung

das sind lauter verschiedene Dinge, mit jeweils eigenen Ursachen, Symptomen, Auswirkungen und Therapien.
Es stimmt zwar, daß ADHS-Kinder hyperaktiv sind, aber genausogut gibt es hyperaktive Kinder, die nicht ADHS haben.´, oder eben Kinder die nicht hyperaktiv sind und ADS haben. Ebenso sind AD(H)S-Kinder oft hochbegabt, muß aber nicht zwingend so sein, bzw. kann auch nur in Teilbereichen zutreffen. Hochbegabung ist aber wieder etwas anderes und muß nicht mit AD(H)S zusammenhängen. usw...

Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Ausreden!
http://www.smilies.4-user.de/include/Liebe/smilie_love_113.gif
http://www.youtube.com/watch?v=L8fSnt_Axy4


Diavolessa

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01.03.2006 14:34 Uhr
@Watzmann
ich denke mal, Skylr meint, daß in der Diagnose nicht unbedingt AD(H)S stehen muß, sondern man kann auch die Auswirkungen reinschreiben.

Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Ausreden!
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Skylr

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01.03.2006 14:35 Uhr
Es ist eine Gruppe von Störungen und nicht ein Muster von Störungen. Es gibt beträchtliche Überschneidungen mit anderen Verhaltensstörungen oder Entwicklungsstörungen oder anderen Störungen, die durch ADHS oder ADS verursacht wurden.
Aber so etwas wird doch in den Foren der Betroffenen Eltern angesprochen, und auch wenn es einige Mühe kostet, durch das schwere Leid der Betroffenen zu lesen, bis man bestimmte Antworten bekommt, ist es lohnenswert dies zu tun.

Diavolessa

Forenbeiträge: 24786


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01.03.2006 14:49 Uhr
Mühe ist wohl zu schwach ausgedrückt...das sind teilweise wahre Horrorszenarien, bis hin zur Zwangseinweisung....und leider nicht nur Einzelfälle

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Passio®

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01.03.2006 15:19 Uhr
[quote:77f740edf5="Diavolessa"]Hochbegabung ist aber wieder etwas anderes und muß nicht mit AD(H)S zusammenhängen. usw...

@diavolessa
genau das ist ja der Casus Knacktus. Viele hochbegabte Kinder zeigen sehr ähnliche Symptome wie ADHSler, weil sie sich schlicht und einfach im Unterricht langweilen, weil sie sich unverstanden fühlen, weil sie unbewußt gegen dieses "anders sein" protestieren und selbst nicht wissen, warum sie sich so verhalten.

Viele Ärzte diagnostizieren da sehr schnell ADHS anstatt der Ursache nachzugehen, warum ein Kind zum Beispiel ständig im Unterricht stört und sich nicht anpasst.

Mir geht es im Prinzip darum, aufzuzeigen welche weiteren "Ursachen" das Zappelphillip-Syndrom haben kann.
Viele Eltern sind nämlich nicht gut informiert oder vertrauen blind den Ärzten. Und Eltern sollten wissen, dass ein Zappelphillip viele verschiedene Ursachen haben kann und man mit einer Behandlung erst dann anfangen sollte, wenn alle anderen Alternativen ausgeschlossen sind.
Es ist nämlich fatal, wenn man ein lebhaftes oder ein gelangweiltes und störendes hochbegabtes Kind mit z.B. Ritalin therapiert, nur weil der Arzt eine voreilige Diagnose gestellt hat.

Im Internat in NRW gab es reihenweise Kinder, die lange Ritalinbehandlungen hinter sich hatten, weil die Ärzte und die Eltern eine Hochbegabung nie in Betracht gezogen haben.

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Diavolessa

Forenbeiträge: 24786


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01.03.2006 15:26 Uhr
Deswegen sollte man bei Verdacht auf ADS oder ähnlichem, sich unbedingt einen Arzt/Therapeuthen/Psychologen suchen, der sich damit auch auskennt.
Das läuft meist über Empfehlungen, weil die das kaum auf der Tafel stehen haben. Und weil die eh ziemlich überlaufen sind...

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