Nomadland Rezension

Forum » Rezensionen » Nomadland Rezension


Autor Beitrag

nimmermehr

Forenbeiträge: 4162


Nach oben
15.07.2021 13:25 Uhr
Es ist kalt in Nevada. Das verschneite Land ist wolkenverhangen und grau. Grau ist auch Ferns (Frances McDormand) Gesicht, als sie die Winterjacke ihres verstorbenen Mannes aus dem Lagerraum holt, in dem sie ihre letzten Habseligkeiten aufwahrt. Mit Anfang sechzig hat Fern nichts mehr – keinen Job, kein Haus, keine Heimat, denn die Gypsum Mine, der große Arbeitgeber von Empire, ist geschlossen. Das Örtchen ist so tot wie Ferns Mann, der hier sein Leben lang gearbeitet hat. Also packt Fern ihren alten Van, baut ihn um und zieht los. Ein Leben auf der Straße mit Jobs, die gerade genug Geld für Benzin und Unterhalt bringen. Damit man immer weiterziehen kann.
Aber was so trüb und deprimierend klingt, ist alles andere als ein anklagender Downer über prekäre Arbeit und ein löchriges Sozialsystem. Fern ist nicht verloren oder hoffnungslos. Sie passt nicht in die Opferrolle. Sie liebt die Freiheit und taucht ein in das weite Land und die Gemeinschaft der Arbeitsnomaden in ihren mehr oder weniger komfortablen Vans. Einmal im Jahr trifft man sich in einem Camp in der Wüste, um Erfahrungen und Überlebenstricks auszutauschen, am Feuer zu sitzen und seine Geschichte zu erzählen, Leute zu treffen, mit denen man auf einer Wellenlänge ist. Auch wenn die Verhältnisse prekär sind, hat doch jeder seine Ziele, seine Erlebnisse und Gedanken, die ihm Würde geben. Dreimal bekommt Fern das Angebot zu bleiben, doch sie kann nicht mehr in einem weichen Bett schlafen und an einem großen Esstisch sitzen. Es zieht sie weiter. Ob sie noch einmal ankommen wird, bleibt offen.

Die amerikanische Journalistin Jessica Bruder hat die Buchvorlage zu „Nomadland“ geliefert. Für ihre Reportage „Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century“ (deutsch: Nomaden der Arbeit. Überleben in den USA im 21. Jahrhundert) fuhr sie mehr als 15.000 Meilen durch die USA und teilte das Leben der Amerikaner, die traditionelles Wohnen aufgeben, um der Arbeit zu folgen. Hauptdarstellerin Frances McDormand, die für den Film ihren 3. Oscar bekam, sicherte sich die Filmrechte und holte Chloé Zhao als Regisseurin an Bord. Zhao castete nur noch David Strathairn für eine wichtige Nebenrolle, alle anderen Darsteller sind reale Nomaden. Die Crew teilte für die Dreharbeiten ihr Leben. Kameramann Joshua James Richards kontrastiert die Enge von Ferns Van mit besteched schönen Aufnahmen von der Weite des Landes, die an klassische Western erinnern. Jederzeit könnte ein Siedler-Treck am Horizont auftauchen. Es passiert wenig, doch die Gesichter der Menschen, allen voran Frances McDormand in einer Glanzleistung, erzählen viele Geschichten. Es wird auch wenig gesprochen, aber die Reise fesselt von Anfang an. Auch wenn ein Hauch von Wehmut über dem Film liegt, hätte ich Fern und die anderen Nomaden gerne noch länger begleitet. Chloé Zhao begegnet ihnen mit großem Respekt, sie zeigt ihren Stolz und ihre Würde. Nur die unterlegte Klaviermusik war mir ein wenig zu romantisierend. Das Kino habe ich mit einem warmen Gefühl und einem Lächeln verlassen.

Empfehlung für alle, die lange Einstellungen und stille, aber in ihren Feinheiten sehr lebendige Erzählungen lieben. Der Regie-Oscar und der für den besten Film sind berechtigt.

Was ihn erstaunte, war, dass die Katzen genau dort zwei Löcher im Pelz haben,
wo ihre Augen sitzen.

Vieles, das unaussprechlich ist, wäre das Aussprechen kaum wert, wenn man es
aussprechen könnte. (Lichtenberg)


findige Fregatte

Forenbeiträge: 12868


Nach oben
15.07.2021 13:44 Uhr
Dankeschön! blumen den mag ich mir unbedingt anschauen.🤩

Ich mag: Phantasievolle Menschen. Empathische Männer mit einem feinen Gespür für Contenance und Ästhetik.
Intelligente Augen, die anfixen,
Gesten, die auf der Haut brennen,
Worte, die den Verstand vögeln,
Schweißperlen im Kopf. :-))


Paheli01

Forenbeiträge: 473


Nach oben
26.07.2021 15:00 Uhr
Ein sehr schöner, ruhiger Film, der viel Stoff für Diskussionen liefert.

Auch die Musik von Ludovico Einaudi hat es mir angetan - so passend und die jeweilige Situation unterstreichend!

Mich können nur Menschen beleidigen, die mir wichtig sind - also spar dir die Mühe
I’m not saying you are stupid, I just said that you have bad luck when you’re thinking!


Ennasus

Forenbeiträge: 2619


Nach oben
08.08.2021 21:41 Uhr
Empfehlenswert!



Jetzt kostenlos registrieren

Einfach anmelden und verlieben!


  • Eigenes Profil mit Bildergalerie erstellen

  • Besucher des eigenen Profils sehen

  • Persönliche Nachrichten erhalten

  • Profilfoto anderer Mitglieder sehen

  • Persönliche Favoritenliste erstellen

Aktuelle Themen in anderen Foren  
Events Mondschein-SUP- und Kajak-Tour am Wörthsee
Verabreden zu zweit Habe gerade Lust später Essen zu gehen...
Sportforum E-Bike-Touren/ Internet-Tipp
Liebe und Partnerschaft Ständig Scam Likes
Das Münchner Singles Forum Gesuchtes Geschlecht
Diskussionen Bundestags-Wahl
Single mit Kind Ferien mit Kind an der Ostsee - Ende Aug./Anf.Sept
Kultur Konzert Palo Santos am 16.09. Thomawiese.
Philosophie & Poesie Gscheit bläd
Plauderecke Assoziationskette
Anregungen & Kritik Events bearbeiten
Wohnen in München Wohnen am Gärtnerplatz
Flohmarkt Biete Balton Regale
Flohmarkt Suche Suche Abstellplatz
Reisen Reisepartnerin Oktober
Fussball-Forum Heute Abend.....
Neu in München Vorsicht vor diesem Aldi-Gewinnspiel bei Whatsapp
Hobby & Freizeit Suche Gartenliebhaber mit großem Garten...